Sonntag, 8. März 2015

Bye Bye Facebook – Warum ich dem Gesichtsbuch den Rücken kehre

„Ich muss dir unbedingt ein Video zeigen, das feier’ ich so ultra-hart.“ „Schreib mir einfach auf Facebook.“ „Kommst du jetzt wohl nicht zu meiner Party? Du hast den Zusage-Button nicht gedrückt“ – Kommen dir solche Kommentare auch bekannt vor? Dank gilt einem gewissen Herrn Zuckerberg dessen – wahrscheinlich von Real Life und weiblicher Zuneigung – verschonter Denkapparat sich einen Geniestreich namens Facebook ausdachte und der Menschheit nun eine nicht mehr überschaubare Informationsflut an Non-sense bescherte. So findet man z. B. Posts über diverse Saufgelage, den Karrierestatus von Freunden vergangener Tage, Urlaubsbilder von Freunden die sich in Saudi- Arabien von einer Haremsfrau Tee servieren lassen. Aber auch Videos sich mit Haarpflegeprodukten selbstbefriedigender Teenager und onanierende, mit Exkrementen um sich werfende Affen fanden Einzug in den Alltag unserer Alter Ego im World Wide Web.

Lange Zeit nutzte auch ich Facebook, doch irgendwann wurde es mir zu bunt. Abgesehen von der bereits beschriebenen Informationsflut, dessen Wert sich mit dem einer Vormittags-Dokusoap unter der Woche auf RTL2 vergleichen lässt, spürte ich auch nicht mehr das Verlangen, meine „Mitmenschen“ an meinem vermeintlichen Leben teilhaben zu lassen, wobei wir gleich bei einem weiteren Punkt angelangt wären: Die nicht vorhandene Authentizität und verschobene Selbstwahrnehmung der um Aufmerksamkeit buhlenden Facebook-Nutzer. Wem sich dieser Punkt nun nicht erschließen mag, der möge folgende Kurzzusammenfassung bitte aufmerksam durchlesen: DAS SEID NICHT IHR! Ihr zeigt euch lediglich so, wie ihr euch gerne sehen würdet bzw. erwartet, dass euch andere wahrnehmen. Das muss einem erst mal bewusst werden.

Zudem findet das echte Leben doch dort draußen, vor den durchsichtigen Glasscheiben eurer Häuser, Wohnungen und muffligen Pappkartons und Mülltonnen statt. Vergeudete Lebenszeit, dem illusionistischen Leben anderer zu folgen – und das in einem Ausmaß, wie es sich Stalker von B-Prominenz in den 90er Jahren nicht einmal ansatzweise zu träumen gewagt hätten. Schließe ich hier nun von mir selbst auf andere? Jein. Gewiss gibt es Personen, die ihre Accounts nur 1-2 mal die Woche aufrufen und die nun mit erhobenem Wurst bzw. Zeigefinger sagen, man solle doch einfach die eigene Nutzung unter Kontrolle bringen und dem ganzen weniger Zeit widmen. Ja, richtig! Doch aus eigener Erfahrung und Beobachtung meines Umfeldes kann ich sagen – sei es mein privates Umfeld oder die Hörsääle der Universität – dass sich Facebook zu einem regelrechten Virus verbreitet hat, der ein Suchtpotential ähnlich dem einer Droge wie Tabak entwickeln kann und dies in den meisten Fällen tut. An dieser Stelle gilt der Mobilfunkindustrie großer Dank, die uns durch die Erfindung und genialen Vermarktung des Smartphones zu Internet-Zombies gemacht hat.

Kurz gesagt, und ohne weiter in meine cholerische Teufelsspirale zu geraten möchte ich eruieren: Ich hatte die Schnauze voll. Der Entschluss mich von Facebook zu trennen reifte schon lange in mir, doch der Ausstieg sollte sich alles andere als einfach gestalten. Konto löschen, wo geht das bitte? Erst mit Hilfe von Google konnte ich herausfinden, dass diese Funktion von Facebook im sog. Hilfebereich so gekonnt versteckt gehalten wird wie Vladimir Putins homoerotische Fantasien einer römischen Orgie mit betrunkenen russischen Oligarchen.

Nun gut, endlich kann ich also mein Konto löschen. Doch vorher muss ich noch meine Kontodaten und einen Captcha-Code eintippen und mir werden die Profilbilder diverser Facebook-Freunde zusammen mit einem „David, deine Freunde werden dich hier vermissen“ serviert, zudem muss ich einen Grund für meinen Ausstieg angeben. Kurz und prägnant antwortete ich mit einem „Hecmec!“ Jetzt darf ich mich 14 Tage lang nicht einloggen, falls doch, so aktiviert Facebook mein Konto wieder. Der eigentliche Löschvorgang dauert aber bis zu 90 Tage und es werden nicht alle Daten gelöscht. Vielleicht sollte man sich doch lieber vorher die AGBs mal durchlesen, aber das ist ja eh sowas von 2001... Kritisch gestaltete sich außerdem noch die Verbindung von Facebook zu meinem Spotify Premium- Account, doch ein kurzer Anruf bei der Telekom lies mich glücklicherweise ein neues Konto einrichten, auf das ich meinen Premium-Status übertragen konnte. Cleverer Schachzug, das mit dem „Mit Facebook anmelden“-Button bei diversen Online-Angeboten.


Hier bin ich nun also, der einsame und traurige Aussteiger. Das denken zumindest einige Personen, die in mein Vorhaben eingeweiht wurden. Vielleicht denkt manch anderer ja auch noch irgendwann um, spätestens wohl dann, wenn ihm der unnötige E-Stress auch zu viel wird und er sich an die kleinen Dinge des Lebens erinnert - wie zum Beispiel das nette Lächeln, dass ihm mal eine Kellnerin zugeworfen hatte - und die er nun dank seiner Social-Media Sucht nicht mehr wahrzunehmen vermag. 

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